1941/42

1941
Derzeit sind für 1941 keine Aufführungen mit Kompositionen Ploners bekannt.

In diesen Zeitraum fällt die Ausarbeitung von Ploners "im Auftrage" des Gauleiters Franz Hofer gestalteten und herausgegebenen Liederbuchs
Hellau! Liederbuch für Front und Heimat des Gaues Tirol-Vorarlberg, Potsdam 1942.


Archiv Institut für Tiroler Musikforschung



Als Motto sind auf Seite 2 ein Ausspruch Adolf Hitlers ("Trotziger Stolz und heiliger Glaube sind die Lieder eines hoffenden Volkes") und auf Seite 3, über dem Geleitwort von Gauleiter Hofer, das Musikincipit des "alten Tiroler Schützenlieds" "Hellau! Mei Hoamatland! Du bist mir alles wert" vorangestellt.

Im sprachlich dem Zeitstil angepassten Vorwort erläutert Ploner den Zweck und die Zielbestimmung des Liederbuchs (S. 4):

Der seelische Genesungsvorgang unseres Volkes hat auch eine größere Sangesfreudigkeit von innen heraus geschaffen. Wenn früher größtenteils nur in bestimmten Kreisen und Organisationen gesungen worden ist, so singt heute wieder das ganze Volk.

Damit meint Ploner vermutlich vorrangig die so genannten "Dorfgemeinschaftsabende" (16), die über das ganze Land verstreut abgehalten wurden und bei denen die Volksliedpflege eine wichtige Rolle spielte. Vor allem Mitarbeiter des Tiroler Volksliedarchivs, darunter auch Ploner, beteiligten sich dabei aktiv an der Wiederbelebung von Volksliedern und Volkstänzen.



Ploner fährt fort:
Diese Erkenntnis bewog den Auftraggeber, die Herausgabe dieses Liederbuches zu veranlassen, wofür ihm der Dank des Gaues sicher sein wird.

Zur Zeit steht Deutschland an der Spitze aller aufbaubewußten Völker im Kampfe gegen die Vernichter aller menschlichen Werte und scheinheiligen Nutznießer dieser Unordnung. Die heißesten Segenswünsche der Heimat sind bei den Kämpfern an dieser Front! So möchte dieses Liederbuch als kleiner Beitrag zur inneren Verbindung zwischen Front und Heimat gewertet werden.

Die Lieder wurden nach folgenden Gesichtspunkten zusammengestellt:
I. Kampf- und Feierlieder.
II. Soldatenlieder.
III. Heimatlieder.

Eine lustige IV. Gruppe "Kraut und Ruabn", hauptsächlich für das Soldaten- und Lagerleben gedacht, beschließt das Buch.

Das salonige alpenländische Lied seligen Angedenkens wurde selbstverständlich unberücksichtigt gelassen.

Mit dem "salonigen alpenländischen Lied" meint Ploner vor allem die Lieder der Tiroler Nationalsänger und nicht, wie Christian Wolf in seiner Dissertation Musikerziehung unterm Hakenkreuz. Die Rolle der Musik am Beispiel der Oberschulen im Gau Tirol-Vorarlberg Anif/Salzburg 1998, Seite 147) annimmt, gewisse Lieder in einem Liederbuch von Walter Senn (Österreichisches Liederbuch. Volk und Vaterland, Innsbruck etc. 1935).

Ploner schließt musiktheoretische Angaben zur praktischen Ausführung der Lieder an und beendet das Vorwort mit Danksagungen an die "Mitarbeiter", besonders die "Parteigenossinnen Inge Friedel und Berta Steiger für die Beschaffung schwer zu erlangende Lieder" sowie an den Verleger "für die gediegene Ausstattung" des Buches.

Im letzten Absatz wir noch einmal die Absicht der Liededition bekräftigt:
So soll nun dies Buch viel Freude bereiten! Und Freude schafft wiederum Kraft. Diese seelische Kraft aber soll mithelfen, unserem kämpfenden Volke den Endsieg zu erringen.

Innsbruck, Wintersonnenwende im Kriegsjahr 1941.
Jos[ef] Eduard Ploner



Das Liederbuch umfasst 239 Lieder.

Archiv Institut für Tiroler Musikforschung

Der erste Teil "Kampf- und Feierlieder" enthält 32 Nummern. Gerade in diesem Abschnitt hat sich Ploner vielfach selbst als Liedschöpfer eingebracht. Am Beginn des Liederbuches stehen wie beinahe in allen damaligen offiziellen Liederbüchern das Deutschlandlied "Deutschland, Deutschland über alles", gefolgt vom Horst-Wessel-Lied "Die Fahne hoch". Diese Lieder wurden allgemein als "Lieder der Nation" bezeichnet.

Ploners Beiträge sind die Lieder
Nr. 14. Bekenntnis zum Führer ("Wir hörten oftmals deiner Stimme Klang")

Im Internet hat das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Innsbruck in der Adresse erinnern.at unter dem Titel "Heroisierung des musikalischen Nazi-Propagandisten Josef Eduard Ploner" unter anderem Textstellen zusammengesucht und veröffentlicht, die die These des Titels untermauern sollen. Zum Lied Bekenntnis zum Führer steht folgendes Zitat: "Ploner selbst verfasste das Lied: Bekenntnis zum Führer, in dem es heißt:". Nun folgt der Text der beiden Liedstrophen. Die Melodie ist nicht wiedergegeben. So wird bewusst suggeriert, auch der Liedtext stamme von Ploner. Dies ist aber unrichtig. Ploner vermerkt nämlich in seiner Liedausgabe: "Worte: In der Kampfzeit mündlich verbreitet. Aus dem
Lied der Getreuen. Weise: Jos[ef] Eduard Ploner. Eigentum des Ludwig Voggenreiter Verlages Potsdam". Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Auch alle anderen Zitate sind selektierend und völlig unkommentiert in tendenziöser Absicht aus dem Zusammenhang gerissen.

Nr. 15 "Greift die Fahne Kameraden"
Nr. 16 Sommersonnenwende in der Verbotszeit ("Und brennt auch das Feuer") - Feuerrituale
Nr. 17 Treu leben (Singring) ("Treu leben todtrotzend kämpfen")
Nr. 18. "Wenn wir im Staub zerfallen" und
Nr. 31. Zum Sieg ("Lasst nun die Fahnen siegen", Text: Erich Kofler, Bozen).

Bei den Liedern Nr. 14 bis 16 steht jeweils als Provenienz angemerkt:
"Worte: In der Kampfzeit mündlich verbreitet. Aus dem Lied der Getreuen".

Lied Nr. 17 ist auf Worte aus der Edda gestaltet,
Lied Nr. 18 nach einem Gedicht von Herbert Menzel.

Als Nr. 13 enthält diese I. Abteilung des Liederbuchs Hellau ein Lied vom Tiroler Lehrer Norbert Wallner mit dem Titel und Textanfang Vieltausend halten Schritt aus Wallners Werk Wir stehn im Morgenrot. Lieder der kämpfenden Ostmark (Potsdam: Ludwig Voggenreiter 1938).

Ein Lied, das speziell den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verherrlicht, hat Leo Eiter 1938 nach Worten von Jakob Kopp (1938) produziert. Es hat im Gauliederbuch Ploners die Nr. 30; sein Titel: Ein Volk, ein Reich, ein Führer! ("Die heilig deutsche Einigkeit")


Neueste Zeitung vom 18. 3. 1938, S. 7

Den folgenden Abschnitt II. Soldatenlieder unterteilt Ploner in Lieder
A. Aus dem Heimatgau, Nr. 33 bis 66 und
B. Aus verschiedenen Gauen, Nr. 67 bis 119.

Die Liederfolge des "Heimatgaues" berücksichtigt sowohl historische Tiroler Lieder, die Ploner zusammen mit Karl Horak schon ab 1940 in den Liederblätter[n]des Reichsgaues Tirol-Vorarlberg (siehe oben 1940/41) veröffentlicht hatte, etwa das Greifensteiner Kampflied Oswalds von Wolkenstein (" Nu huß sprach der Michel", Nr. 33)
oder das Lied von der Belagerung von Kufstein ("Nun wöllt ihr hören", Nr. 34),
zahlreiche Lieder aus Tirols Kampfzeit um Andreas Hofer und natürlich das neu geschaffene Gaismayr-Lied auf einen Text von Ploners Freund und Weggefährten Wilhelm Lackinger. (17)



Nr. 35: Das Gaismayr-Lied (1525)
1. Die Herren und die Pfaffen uns schinden bis aufs Blut,
die Fuggerjuden raffen an sich all unser Gut.
Vom heilgen Reich der Kaiser hat eine schwache Hand.
Wer schützt den Baur und Handwerksmann, wer hilf dem armen Land?
Kehrreim: Gaismayr Michl, du bist unser Mann!
Burgenbrecher, Ketzerfürst, du, führ uns an!

2. Der Papst im Welschland unten, der macht sichs Leben fein,
er stellt sich vor den Himmel und lässet nur den ein,
der ihm den Zoll entrichtet und seiner Klerisei.
Wer macht den Weg zum Herre Gott uns deutschen Bauern frei?
Kehrreim: Gaismayr Michl [...]

3. Vom heilig Deutschen Reiche reißt jeder Fürst ein Trumm,
entrechtet den Gemeinen und tritt auf ihm herum.
Vom Kaiser kommt kein Hilfe, der machts den andern gleich;
wer stellt das Recht uns wieder her und unser Deutsches Reich?
Kehrreim: Gaismayr Michl [...]

Anmerkung Ploners:
Michl Gaismayr, der letzte große und weitschauende Bauernführer, aus dem Dorfe Flans bei Sterzing stammend, wurde auf Anstiften des Erzherzogs Ferdinand, dem Bruder Kaiser Karls V., 1525 in Padua ermordet.
Darauf folgt ein Zitat von Adolf Eduard Frauenfeld: "Unsere Zeit hat allen Grund, einem Manne gerecht werden, der in seiner Landordnung von Tirol" mehr Verständnis und Weitblick zeigte als irgend ein Fürst dieses und späterer Jahrhunderte und der in seinem Kampf um die Einheit des Reiches wie kein anderer Fürst des Bauernkrieges ahnte, worum es in den furchtbaren Bürgerkriegen zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging."



Von Ploner stammen ferner die Weisen zu den Liedern
Nr. 62 Abschied der Kriegsfreiwilligen ("Beim letzten Worte", Text: Erich Kofler, Bozen) und
Nr. 63 Der Vormarsch ("Es dröhnt der Marschtritt", Text: "Soldat" Helmut O. Wiegener).

In diesem Abschnitt II ist noch mit Liedaufzeichnungen Peter Marini, Komponist und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten, beteiligt:
Nr. 39 "Nun tretet mutig an", (Text: ,,1. Strophe angeblich von Julius Zinkgraf, 1632; 2. und 3. Strophe von Max Pohl", Melodie aufgezeichnet 1897 in Vahrn bei Brixen/Südtirol),
Nr. 40 Auf, Tirol! ("Auf, Tirol! Nicht lang verweile", Text: ,,Von einem Höttinger Bauer 1796 gemacht"),
Nr. 49 "Und wenns einmal zum Scheiden kommt".

Das letztgenannte Lied Nr. 49 ist an sich ein altes Tiroler Schützenlied aus der napoleonischen Zeit. Der Text der dritten Strophe wurde bei Ploner aktualisiert: "Und wenn es jetzt nach Russland geht, so rufen wir Sieg Heil! Drum rufen wir hurra, vivat und streiten für das Vaterland. Drum ist, drum ist, drum ist mein Herz erfreut."



Weitere Beiträge lieferten durch Aufzeichnungen aus Südtiroler Überlieferung
Karl Auckenthaler mit
Nr. 45 Der Sandwirt ("Grüß Gott euch Herren") und
Nr. 46 Das Napoleonslied ("Ist es denn schon wirklich wahr") sowie

Artur Kanetscheider als Textdichter und Liedschöpfer von
Nr. 64 Lied der Gebirgsjäger:

1. Wir sind die kühnen Jäger vom deutschen Alpenland.
Der Führer rief zum Streite, wir zogen ins Polenland;
Wir kennen West und Norden, wir haben vor keinem Scheu:
Im Eis und an Fjorden, da halten wir die Treu.

2. Schon unsre Väter kämpften für eines Reiches Wehr.
Das Reich, es ist zerfallen, es blieb uns nur die Ehr.
Als altes Siegeszeichen blüht und ein kleines Reis:
Die schönste Bergesblume, das stolze Edelweiß.

3. Wo immer sie uns rufen, wir gehen daran mit Schneid
Und schlagen uns und fechten getreu dem Fahneneid:
Dem Führer stets zur Ehre, fürs große Vaterland.
Wir sind die kühnen Jäger vom deutschen Alpenland.

Liedschöpfungen, die sich auf die Zeit des Ersten Weltkriegs beziehen, hat insbesondere der Volksdichter, Komponist und Initiator für die 1931 errichtete Heldenorgel in Kufstein
Max Depolo (1888 Stein/Krain - Innsbruck 1971) beigesteuert:
Nr. 53 Kaiserjägerlied ("Wir Jäger lassen schallen"),
Nr. 56 "Wir Schützen sind gar lustge Leut",
Nr. 57 "Wir Tiroler müeßn marschieren",
Nr. 58 "He, Buabn, au, an Juchzer drau",
Nr. 60 "Als wir am Pasubio standen".



Die folgende Abteilung "B" in Hellau ist Soldatenliedern "aus verschiedenen Gauen" gewidmet. Ploner hat hier historisches und aktuell geschaffenes, überregionales Liedmaterial zusammengestellt und sich selbst nur mit der Bearbeitung einiger Liedsätze eingebracht.

Der große Abschnitt III. Heimatlieder mit Nr. 120 bis Nr. 219 war Ploners ureigenste Domäne. Ploner hat sich zeitlebens intensiv dem Tiroler Volkslied und auch dem historischen Tiroler Liedgut gewidmet. Viele seiner Kompositionen fußen stilistisch auf Topoi der Tiroler Volksmusik oder verwenden Volkslieder als Zitate. Seine theoretische Abhandlung Vom echten und unechten Tiroler Volkslied (1942/43) hat in vielen Belangen noch gegenwärtig ihre volle Berechtigung (Wortlaut siehe unten; Druck in Variante bei Spiehs, Josef Eduard Ploner, 1965, S. 159-165).

Ploner war auch Kenner der Volksmusiktradition Vorarlbergs. Der Kanon des üblichen und klassischen Tiroler Volksliedrepertoires ist im Abschnitt III von Hellau vereinigt. Als Hauptquelle dafür stand Ploner insbesondere die Liedausgabe Echte Tiroler Volkslieder von Franz Friedrich Kohl (Wien 1899) zur Verfügung.

Daneben nahm Ploner auch eine Reihe der beliebten Lieder von Josef Pöll (1874-1940) in seine Lied-Edition Hellau auf, so
Nr. 122 Die Kasermanndln ("Auf der Umbrückler Alm"),
Nr. 126 s Hoamatl ("Mei Hoamtl hab i im Zillertal drin"),
Nr. 127 Die Holeralm ("Z"tief hinterscht im Tal"),
Nr. 159 s Zeisele ("In an kloan Heisele"),
Nr. 167 Abschied ("Wenn i heit af di Wiesn geh").

Liedneuschöpfungen stammen auch von Ploners Schüler Sepp Thaler (1901 Auer/Südtirol - ebd. 1982), z. B.
Nr. 168 Wiegenlied ("A herzigs a flachshoorets Büabl") und
Nr. 181 Perlaggerlied ("Im Wirtshaus zur Rosn "), benannt nach einem einstmals beliebten Tiroler Kartenspiel oder
Nr. 187, das lustige und höchst originelle Lied "Bei ins afn Land".

Liedaufzeichnungen aus dem Sarntal trugen bei der Südtiroler Volksliedexperte Karl Auckenthaler (Nr. 143, 151, 170, 178, 179) und Max Jungmann aus dem Südtiroler Tauferertal (Nr. 163, 164 und 165).

Der Text zum Scheibenschützenlied Nr. 145 ("Nix freiers kunns bald auf da Welt") stammt vom Brixentaler Bauerndichter Christian Blattl, die Melodie ist laut Provenienzangabe Ploners eine "Volksweise aus St. Johann i[n] T[irol]".

Ploner selbst hat die meisten Liedsätze in Hellau geschrieben, aber auch zahlreiche Liedneuschöpfungen insbesondere geschaffen nach Liedtexten von Erich Kofler (1916-1994, der damals Sympathisant von NS-Gedankengut war, später Sekretär im Südtiroler Künstlerbund und noch um 1980 bei Athesia in Bozen publizierte), so zum Lied
Nr. 135 Das saggrische Leben ("Kannst machn was willst"),
Nr. 158 Geh, liabs Zeisai ("Das saggrische Leben"),
Nr. 188 Im Langez (Lenz) ("Unter die Perglen"),
Nr. 189 Bergsummer ("Über die Plentacker"),
Nr. 190 Törggelelied ("Übern Fennberg"),
Nr. 191 Winternacht ("Jatz isch alls still").



Die Nr. 192 "Und mittn in Winter" ist eine Liedkomposition Ploners nach eigenen Worten:

1. Und mittn in Winter, in der Sunnenwendnacht,
da sei mal fein stad, da gib amal acht. [Jodler].

2. Und mittn in Winter, in der Sunnenwendnacht,
paß au af die Viecher, dann verstehst ihre Sprach. [Jodler].

3. Dann siehgscht unterm Schnee, daß das Grasl lei schlaft,
dann hearsch du das Eis, wias hoamlich schun kracht! [Jodler].

4. So ischts halt im Leben, dös wohl a nit alm lacht,
aber Guatsein und Treisein hat d Sunn no alm bracht! [Jodler].

Zum Lied Nr. 147 Der Gamsnjager aus Tirol ("I bin der Gamsnjager") vermerkt Ploner, dass der "Volkssatz" von ihm aufgezeichnet wurde (ohne Orts- oder Jahresangabe).


Den letzten Abschnitt "Kraut und Ruab"n" in Hellau (Nr. 220 bis 239) widmete Ploner Scherz- und Spottliedern. Diese hat er vor allem der im deutschen Sprachraum weit verbreiteten Liedersammlung Kilometerstein. Klotzmärsche, Lieder für die Landstraße, Musik zum Tageslauf und allerlei Unsinn. Eine lustige Sammlung
(hrsg. v. Gustav Schulten, z. B. 2. Auflage Potsdam, Voggenreiter 1934) entnommen hatte, darunter auch zwei Lieder antisemitischen Inhalts, Nr. 237 Litanei" und Nr. 238 "Und der Jud hat den Brauch".

Archiv Institut für Tiroler Musikforschung

Die "Litanei" ist erstmals in der Liedersammlung "Der kleine Kilometerstein". Eine lustige Sammlung", herausgegeben von Ludwig Voggenreiter, Potsdam 1942, enthalten. Dies war eine "Gekürzte Feldpostausgabe" des "Großen" Kilometersteins, der einen Umfang von 256 Seiten aufweist.
Die ersten 6 Auflagen des Kilometersteins bis um 1938 enthalten die Litanei nicht. Dieses derbe Spottlied wird demnach erst um 1940 populär geworden sein.
Die Schnaderhüpfelfolge Nr. 238 hingegen ist bereits in der 2.Auflage und den folgenden Auflagen des Kilometersteins, Potsdam 1935ff, auf Seite 67 mit dem Herkunftsvermerk "Oberbayern" aufgenommen. Die 1. Auflage aus dem Jahr 1934 war mir nicht zugänglich.


Nr. 237 Litanei
1. O Herr, gib uns den Moses wieder, damit er seine Stammesbrüder heimführe ins gelobte Land!

2. Laß wiederum das Meer sich teilen, so daß die beiden Wassersäulen feststehen wie die Felsenwand!

3. Und wenn in dieser Wasserrinne das ganze Judenvolk darinne, o Herr, dann mach die Klappe zu, und alle Völker haben Ruh!



Nr. 238
1. Und der Jud hat den Brauch, und drum tragts eahm was ein,
wenn man vorn aussischmeißt, kimt a hint wieder rein

2. Und regnen und regnen, s geaht alls aus dem Leim.
I glaub, unser Herrgott, der is net daheim.

3. I bin wohl a Jager, i hab wohl a Büx,
i schiaß a wohl aussi, aber trefffn tu i halt nix.

4. Waar ma d Huat nit angwachsn, waar i aussi schon gfahrn;
Aber so kann i wenigstens s"Anziagn dersparn.


Josef Eduard Ploner hat sich als Mitglied des Arbeitsausschusses des Tiroler Volksliedarchivs in mehrfacher Weise für die Verbreitung des von dieser Institution als "echt" angesehenen Tiroler Volkslieds eingesetzt. Zum einen dienten dazu seine Liederblätter des Reichsgaues Tirol-Vorarlberg 1940/41bzw. Liederblätter für Tirol und Vorarlberg 1941 und weitere Publikationen von Volksliedern, zum anderen bemühte sich Ploner auch im Rahmen von Vorträgen, die Wichtigkeit und besondere Wertigkeit des Volksliedes für die Ideen des Nationalsozialismus fruchtbar zu machen. Ploner war ein profunder Kenner und Liebhaber des Tiroler Volkslieds, und so ist sein engagiertes Wirken um die Verbreitung und Anerkennung des seiner Ansicht nach "echten" Tiroler Volkslieds auch ehrlich aus der Sorge um das Verkümmern einer Tradition zu sehen, die maßgeblich mit seinem Verständnis von der Identität seiner Heimat verbunden war. (18)


Ein solcher Vortrag (um 1942/43) hat sich als Typoskript im Archiv Gilbert Ploner erhalten (Kopie im Archiv des Instituts für Tiroler Musikforschung):

Vom echten und unechten Tiroler Volkslied
Von Josef Eduard Ploner

Die bewusste Brauchtumspflege des Nationalsozialismus hat auch in unserem Gau das heimische Lied aus seinem Sonder- und Schattendasein herausgeführt. Wenn es bisher in Sammlungen und Archiven, in bestimmten Vereinen und bei einzelnen Idealisten und Liebhabern noch ein etwas blutleeres Dasein geführt hat, so soll es jetzt nach dem Willen des Gauleiters und Reichsstatthalters wieder lebendiges Eigentum des Volkes werden. Die Herausgabe des "Hellau"-Liederbuches, die Liederheftchen bei einer der letzten Straßensammlungen, das geplante Schulliederbuch des Gaues, die allseitige Volksmusikpflege innerhalb des Standschützenverbandes und die in vielen Ortsgruppen schon durchgeführten Heim- und Dorfabende zeigen von diesem Erneuerungswillen. Erstrebenswertes Höchstziel wäre es, wenn durch Partei und Schule die Aufklärung über echte und unechte Volksmusik soweit gediehe, dass überhaupt nur mehr echte Volkskunst ertönte. Meine heutigen Ausführungen über das echte und unechte Tiroler Lied soll man als kleinen Beitrag der Aufklärung werten.

Viele werden sich fragen, ob es überhaupt ein unechtes Tirolerlied gibt? Daraus ergibt sich nun die weitere Frage, was das Tirolerlied überhaupt ist?

Im allgemeinen spricht man dann von einem Tiroler Lied, wenn der mundartliche Text ein heimatliches Erlebnis oder eine heimatliche Begebenheit schildert, wobei die Musik (also Weise und Begleitung) eben jene gewissen Merkmale aufweist, die man eben als "tirolerisch" bezeichnet. Der im oder nach dem Liede erscheinende Jodler gibt der zumeist tänzerisch-beschwingten Weise das kennzeichnende Gepräge, auch wenn der Text mitunter ernstere Haltung aufweist. Zumeist sind die Liedtexte des Tiroler Liedes aber heiterer Art. Diese Kennzeichen, also: meist heiterer Text, tänzerisch-beschwingte Weise mit einem im oder nach dem Liede auftretenden Jodler, hat aber auch das unechte Tiroler-Lied. Wir müssen deshalb schon tiefer dringen, um den Unterschied zwischen echtem und unechtem Tirolerlied zu erkennen.

Textlich:
Wenn auch der Gebrauch der Mundart im unechten Liede sprachlich einwandfrei sein kann (zumeist ist er es nicht, da die meisten unechten Tiroler Lieder von Nichttirolern stammen), so entscheidet der Sinn der Worte und die dadurch bezeugte Geistes- und Gemütshaltung über echte oder nur nachgeahmte Bodenständigkeit. Im echten Tirolerlied wird man nie eine weltschmerzliche oder gar sentimentale Wendung oder Betrachtung finden, dagegen aber im unechten sehr oft, eigentlich immer. Solch unwahre Gefühlsergüsse machen geradezu das Typische des unechten Tirolerliedes aus.


Das echte ist dagegen fast immer lebensbejahend, kämpferisch, daseinsfroh, ja geradezu daseinsüberschwenglich. Gemäß der rassischen Eigenart unserer Landsleute findet sich auch eine merkliche Beigabe von Spott, die selbst in den geistlichen Liedern mitunter erscheint. Wenn nicht Spott, so zumindest der alles in eine bestimmte Auflockerung hebende berglerische Humor. Wenn in dem einen oder anderen Liebesliede gelegentlich die Untreue besungen wird, dann jedenfalls nicht so wie im ganz unälplerischen Liede "Verlass"n, verlass"n bin i". Alle diese tränendrüsenbewegenden Lieder sind die Erzeugnisse entarteter Seelenhaltung und haben mit den echten Liedern unseres Alpenvolkes nur die schon eingangs angeführten Äußerlichkeiten gemein. Dass es zu diesem Entartungsvorgang kommen konnte, daran war der damals vorherrschende Liberalismus und die damit Hand in Hand gehende Landflucht schuld. Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der überhaupt das unechte älplerische Lied als das eigentliche gegolten hat. Mutige Idealisten nahmen in Wort und Tat gegen diese Pseudovolkskunst Stellung und haben in mühevoller Arbeit mindestens ein Erkennen dieser Verseuchungsgefahr erreicht. Ein vollkommener Wandel nicht nur für die kleine Zahl der Erkennenden, sondern für die breite Masse des Volkes, wird nur durch die nat[ional-] soz[ialistische] Kulturarbeit ermöglicht werden. Es geziemt sich hier, wenigstens zweier Kämpfer zu gedenken: Der eine ist der für das gesamtälplerische Lied tätig gewesene Dr. J[osef] Pommer, der andere für das Tiroler Lied unser Landsmann [Dr.] Franz Friedrich Kohl. Kohl wetterte schon im Jahre 1899 in seinem heute noch immer lesenswerten Vorworte zu den "Echten Tiroler Liedern" gegen das unechte Tiroler Lied (übrigens wäre eine den heutigen Verhältnissen angepasste Neuauflage dieses Vorwortes sehr zu empfehlen!):

"Eine besondere Art der Lieder im Volkstone, die Salontiroler Lieder, beanspruchen hier eine schärfere Beleuchtung, weil sie, in großer Menge verbreitet, das echte Lied des deutschen Volksstammes in Tirol arg schädigen. Die Mehrzahl verdankt ihre Entstehung den National-Sängergesellschaften, die ihre Vortragsordnungen fort und fort mehr mit erfolgheischenden Nummern zu erweitern trachten, bei Vernachlässigung des bescheidenen, echten Liedes. Heimweh, das den Tirolern besonders eigen sein soll, geschichtliche Volkstreue und Wehrhaftigkeit, Biederkeit u[nd] dergl[eichen] mehr werden hie[r]bei als willkommene Vorwürfe ausgeschrotet, um bei der Weichseligkeit der neuzeitigen Gesellschaft so recht geldbringend einzuwirken. Die widerwärtige Selbstverhimmelung und die Pudelnarrheiten, die hie[r]bei zutage treten, erfordern, daß endlich dagegen einmal ein ernstes Wort geredet wird. Auch der Empfindelei, wie sie uns in diesen Gesängen entgegentritt, kann man den Tiroler-Deutschen nicht bezichtigen. Wo von Bleamerln, Schmerz und Herz, Liab begraben, hüpfenden Herzaln, Sehnen und Tränen, silbernem Glanz und Seligkeit u[nd] dergl[eichen] Unsinn die Rede ist, möge sich der Uneingeweihte hüten; in ihnen wird sich das Wesen des Tirolers nicht offenbaren.

Am gedankenleersten aber sind die Lieder, in welchen das Almenleben und bäuerliche Anschauungen in tölpelhafter Nachahmung besungen werden und der Gedanke kaum über die üblichen Alm-Kalm-Reime hinauskommt.

Aufklärung hierüber tut daher Not. Zum besseren Verständnisse, und um dem Überhandnehmen des unechten Liedes wirksamer begegnen zu können, habe ich folgende Liste unechter Lieder zusammengestellt".

Und nun zählt Kohl 101 (einhundertein!!) unechte Lieder auf. Ich greife aus dieser Liste nur die bekanntesten heraus:

A Blüamerl, dös recht blühn soll
A Busserl ist a gspassig Ding
A Dianerl geht um Holz in Wald
Bald is auf d"Alma geah
Bin a frischer Tirolerbua
Darfst ja nit traurig sein
Mei Diandl is sauber
Von der Alpe ragt ein Haus
Wo die Blümlein draussen zittern
Von meinen Bergen muss ich scheiden
Das ist mei Zillertal (Im Tal von Bergen grün umkränzt)
Es werfen ab die Berge die Mäntel von Hermelin
Fern im Tirolerland, wo ich die Liebste fand
Nur einmal noch in meinem Leben
Tiroler sind lustig, Tiroler sind froh (Text: [Emanuel] Schikaneder, Weise: [Jakob] Haibel)


Diese Auswahl aus der Kohl"schen Liste bedarf noch einer notwendigen Ergänzung mit anderen bekannten Salontiroler-Liedern:

Wo die Alpenrosen blühn (Weise Franz Abt)
Almrausch und Edelweiß
O Land Tirol, mein einzig Glück (Weise: Ra ek)
Wer nennt mir jene Blume, die allein (Weise: [Moritz] Peuschel)
Auf dem Iselberge steh ich (Text und Weise: [Josef] Gotzen)

und manches andere schlechte Innsbrucker Lied.

Meinen dichtenden und komponierenden Landsleuten muss ich hier aber eine Ehrenrettung zukommen lassen, da nämlich die Mehrzahl der unechten Tiroler Lieder von Nichttirolern stammt. Vermutlich war die größere kommerzielle Veranlagung dieser Nichttiroler an der starken Verbreitung schuld. Josef Pöll hat durch seine schöpferische und organisatorische Tat eindämmend und beispielgebend gegen diese Fremdenverkehrsableger [gewirkt]: Er stellte ihnen bessere Lieder entgegen und brachte diese mit seinen "Wolkensteinern" unter das Volk. Eine Einschränkung sei mir aber auch in diesem Falle gestattet; es ist das die bedingungslose Ablehnung des Nachahmens von Instrumenten durch die Singstimme. Selbstverständlich gilt diese Ablehnung des Instrumentenersatzes auch für alle anderen Neuschöpfungen. Damit wären wir beim Musikalischen:

Das echte Tiroler Lied steht immer in einer Dur-Tonart und hat im Gegensatz zum unechten keine chromatische (halbtönige), sondern leitereigene Melodik, die aus der einfachsten harmonischen Funktion (Begleitung) gewissermaßen herauswächst. Wir können deshalb auch von einer Dreiklangsmelodik sprechen, im Gegensatz dazu etwa beim nordischen Liede von einer Tonleitermelodik. Die Dreiklangsmelodik ist aber nicht nur dem älplerischen Liede, sondern auch dem älplerischen Tanze eigen, da ja dieser Tanz schließlich nichts anderes ist als ein gespieltes Lied; umgekehrt ist das Lied nichts anderes als ein gesungener Tanz. Der in und noch öfters nach dem Liede auftretende Jodler beweist diese Behauptung ohne weiteres. Die chromalose Melodie und die damit verwachsen einfachste harmonische Funktion geben nun dem älplerischen Liede jenen ursprünglich wirkenden Charakter, der wie ein Gesundbrunnen wirkt. Ähnlich verhält es sich mit allem Ursprünglichen: Die unverdorbene Natur ist und bleibt der beste Erneuerungs- und Gesundbrunnen. Meine hier eingenommene ablehnende Stellung zu Chromatik und einer reicheren harmonischen Funktion darf man nicht als Rückständigkeit auslegen, da ich um die Dinge in der Kunstmusik doch einigen Bescheid weiß. Ich selbst habe bei an und für sich einwandfreien, aber kunstvollen Sätzen über älplerische Motive immer den Eindruck, als wenn ein trachtengekleideter gekleideter Bauer einen Zylinder aufsetze, oder zur Lederhose Lackschuhe trüge. In unserer Volksmusik können die Forderungen [nach] der chromalosen Melodie und der einfachsten harmonischen Funktion nicht streng genug gestellt werden, da ansonsten das eigentliche Wesen der älplerischen Musik vergewaltigt wird, wie es uns ja das Salontiroler Lied gezeigt hat. Wenn ich unser Tiroler Lied mit einem Edelweiß vergleichend in die beste Gartenerde versetze, so wird es mit der Zeit eben entarten. Eine ebensolche Entartung ist das unechte älplerische Lied.


Es drängt sich einem unwillkürlich die Frage auf, wieso das unechte Lied eine dermaßen starke Verbreitung finden konnte. [Franz Friedrich] Kohl gibt unbewusst mit seiner Deutung der neuzeitigen Gesellschaft eine treffende Antwort. Damit meinte er alle für ein naturhaft verbundenes Wesen ungünstigen Einflüsse, den Liberalismus mit seinen Begleiterscheinungen, der Landflucht und großstädtischen Wasserköpfen. Die Rassenhygieniker und Bevölkerungspolitiker sehen aber noch klarer und handeln auch danach. Unsere gesamteuropäische Kultur kann nur auf der Grundlage bäuerlicher Gesundung erneuert und gefestigt werden.

Für musikalisch Interessierte möchte ich noch in aller Kürze das Wichtigste über die harmonische Funktion sagen: Unter harmonischer Funktion versteht man die Wechselwirkung verschiedener Harmonien (Dreiklänge). Nehmen wir ein Tonstück in C-Dur an, so liegt diesem Stück die C-Dur-Tonleiter c-d-e-f-g-a-h- sowohl für die Melodie als auch für die Begleitung zugrunde. Jeder halbwegs begabte Klampfenspieler, einerlei ob Notenkenner oder nicht, begleitet einfache Lieder oder Tänze unserer [...?, Fortsetzung/weiteres Blatt des Typoskripts fehlt].



Fortsetzung des Vortragstextes ab hier nach dem Zitat bei
bei Hermann J[osef] Spiehs, Josef Eduard Ploner. Der Tiroler Komponist (= Schöpferisches Tirol, Folge 5), Innsbruck 1965, S. 164-165.

Die Wiedergabe der vorangegangenen Passagen von Ploners Ausführungen erfolgte bei Spiehs nicht diplomatisch nach dem Typoskript Ploners, vielmehr hat Spiehs zahlreiche Retuschen vorgenommen, die vermuten lassen, dass er so auch in der nachfolgenden Fortsetzung verfahren ist. Der Anfang von Ploners Vortrag findet sich in der retuschierten Fassung von Spiehs a. a. O. auf Seite 159-164.

[S. 164, Spiehs:] Man könnte nun zu meinen Ausführungen über die einfache Struktur des Volksliedes der Meinung werden, daß es eher [...?, Wort fehlt] als nicht langweilig und monoton sein müßte. Dem ist nun aber nicht so. Trotz dieser Beschränkung ist unser alpenländisches Lied (immer seine Echtheit vorausgesetzt) vielleicht die farbigste Blume im großen deutschen Volksliedgarten. Der tänzerische Rhythmus tut nebst der phantasievollen Weise das Seine, um diese Behauptung zu rechtfertigen. Kohl gibt folgende Charakteristik über unser echtes Tirolerlied:

"Es ist ganz besonders heiter. Sonnig wie die Tiroler Berge, frisch wie ihr Gletscherhauch, naturfroh wie kein anderes, oft bis zum Übermut keck und neckisch."

Und Dr. A[dolf] Seifert (Verfasser einer sehr beachtlichen Volksliedstudie ["Volkslied und Rasse", Reichenberg-Berlin-Lichterfelde 1940]) beurteilte es ebenso positiv: "Es ist unbeschwert, oft auch ausgelassen, immer lebensbejahend und unproblematisch "

Um so mehr muß den Kenner und Volksfreund der Verfall dieser Kunstgattung betrüben. Als "handgreiflichen" Beleg dafür, wies ehr im argen die Dinge schon zur Zeit meiner Jugend lagen, sei es mir erlaubt, ein persönliches Erlebnis anzuführen, denn solche Erlebnisse halte ich erzieherisch für sehr wertvoll. In meinem Elternhaus wurde öfters musiziert, und vornehmlich tat sich hie[r]bei meine Mutter [Maria Josefa geb. Köhle] hervor. Wenn nun noch deren Geschwister bei uns zu Besuch weilten, so ging es manchmal hoch her, da die ganze "Köhlesippe" (der sie entstammte) musikalisch sehr begabt war. Ich lernte also bei solchem Familienmusizieren fast die ganze salontirolische Literatur kennen. Als ich nach dem Liede "Von der Alpe ragt ein Haus" den bescheidenen Einwand machte, daß wir Tiroler doch nicht so wehleidig wären (ich sagte damals wortwörtlich: "So sein wir nit!"), wurde ich gehörig ob meiner Lieb- und Pietätlosigkeit verwiesen. Und auf meine nochmalige Behauptung: "Na, Mutter, so sein wir nit, so süß und g"schmachig!" bekam ich von ihr eine gutsitzende Ohrfeige. Drauf verließ ich das "Musikzimmer", um mir vom Balkon aus die "Nordkette" zu betrachten. Dort, beim Anblick der Berge, fand ich das wahre Sinnbild unserer Art während aus dem Zimmer wieder die süßlichen Weisen der tirolischen Importware erklangen

Sind doch alle diese Lieder und Weisen ein volksfremdes Surrogat! Wir dummen Tiroler haben uns dafür unsere arteigenen besseren Sachen wegnehmen und schlechteres, landfremdes Zeug aufschwätzen lassen. Ich besitze heute z. B. persönlich eine Sammlung von etwa 300 musikalischen "Tyrolensien", die alle von Nichttirolern und nichttirolischen Verlagen herstammen. Mag sein, daß durch diese Ohrfeige meiner Mutter (sie ist ihr längst verziehen!) mein berüchtigter Trotz und Stolz beweckt und gestärkt wurden. Und ich auf diesem etwas ungewöhnlichen Wege zu meinen Musik- und Liedforschungen gekommen bin. Tatsache aber ist und bleibt, daß ich schon vor dieser mütterlichen Ohrfeige dumpf (unterbewußt) empfunden hatte, daß die derzeit gebräuchliche Tirolermusik unserem Tirolerwesen (das so oft und viel, aber nicht immer zurecht betont wird!) nicht ganz gerecht wird. Doch erst nach jahrzehntelangem Suchen war es mir vergönnt, jene Tirolermusik zu entdecken, die ich als unserer Art gemäß empfand. Und dies war die alte Musik unserer Heimat, also jene, die schon vor 1650 gesungen und gespielt worden ist. Ich mache also kein Hehl daraus, daß mir die ältere Musik wesentlich näher liegt als die neuere. Ich möchte aber besonders betonen, daß ich diese Zurückgewandtheit bis in die Minnesängerzeit nicht aus bloßer Antiquitätsfummelei betreibe, sondern mehr aus dem Gefühlhaften, weil ich bei der älteren Musik eben mein Wissen mehr angesprochen fühle. Desungeachtet gestehe ich aber, daß mir ein echter und bodenständiger "Ländler" in aufgeräumten Stunden schon auch etwas zu geben vermag.

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1942, 25. Jänner 1942 - Wien
Großer Konzerthaus-Saal
Symphonie-Konzertam Sonntag-Nachmittag
veranstaltet von der Wiener Konzerthausgesellschaft

Ausführende
Das Stadtorchester Wiener Symphoniker
Dirigent: Prof. Anton Konrath.
Valerie Ruschitzka, Klavier
Fritzi Margaritella, Sopran

Programm

Josef Eduard Ploner
Vorspiel für Orchester zum Schauspiel "Michel Geismair" [!, op. 105] von Josef Wenter und A[dolf] E[duard] Frauenfeld

Edvard Grieg
Klavierkonzert a-moll

Gaetano Donizetti
Arie der Lucia aus "Lucia di Lammermoor"

Giuseppe Verdi
Arie der Violetta ""s ist seltsam" aus "La Traviata"
Bolero aus "Sizilianischer Vesper"

Franz Schubert
VI. Symphonie C-Dur (Kleine)

Archiv Gilbert Ploner


Notiz zum Konzert in den Innsbrucker Nachrichten vom 11. Februar 1942, S. 5

J. E. Ploners "Michel-Geismair"-Vorspiel in Wien

Vor kurzem brachte Professor Anton Konrath im Rahmen eines Sonntags-Symphoniekonzertes der Wiener Symphoniker im Großen Konzerthaus-Saal in Wien, das aus der Innsbrucker Uraufführung von Josef Wenters Schauspiel "Michel Geismair" bekannte Vorspiel des Innsbrucker Komponisten Josef Eduard Ploner zu diesem dramatischen Werk zu erfolgreicher Aufführung.

Über den Eindruck dieser Aufführung berichtet die Wiener Presse u. a.: "Mit bemerkenswerter Sachkenntnis ausgewählt, erscheinen hier alte Kampflieder aus den Bauernkriegen in wirksamer, der Passacagliaform angenäherten zyklischen Anlage zusammengeschweißt, deren heldischer Charakter nur einmal von einer kurzen, lyrischen Episode gegensatzreich unterbrochen wird. Kräftiger Zugriff und effektvolle Klangbilder sicherten der Arbeit und dem anwesenden Autor schönen Erfolg."

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1942, 10. April - Innsbruck
Großer Stadtsaal

Stimmen der Heimat - Abend im Rahmen des Volksbildungswerkes
Veranstalter
NSDAP Gauleitung Tirol-Vorarlberg, Abteilung Kultur, Erziehung, Schulung,
Sachgebiet Musik und Feiergestaltung
NS-Frauenschaft

Aufführung von Werken der Tiroler Komponisten
Oswald von Wolkenstein, Leonhard Lechner und Josef Eduard Ploner,
dazu Lesung von Werken der Vorarlberger bzw. Tiroler Dichter
Hugo von Montfort, Josef Wenter, Karl Springenschmid.
Aufführung der Kantate Das Land im Gebirge op. 109 von Josef Eduard Ploner nach Worten des Tiroler Dichters Joseph Georg Oberkofler,
bei diesem Anlass wohl erstmals öffentlich und mit Klavierbegleitung.

Mitwirkung der NS-Frauenschaft im gemischten Chor und als Frauenchor, nach einem Aufruf der "Gausachbearbeiterin für Musik und Feiergestaltung" Bertl Steiger.

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1942, [Juni] 1942 - Innsbruck
Heim der NS-Frauenschaft, Anichstraße 36

Aufführung von Goethes Singspiel Scherz, List und Rache
mit Musik von Josef Eduard Ploner
veranstaltet von der Leiterin der Innsbrucker Marionettenspiele Grete Jenewein



Das Singspiel Scherz, List und Rache von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1784 hat als Erster 1787 sein Freund Philipp Christoph Kayser (1755-1823) in vier Akten vertont. Mit einer Textbearbeitung von Ludwig Bischoff wurde das Stück von Max Bruch (1838-1920) als Komische Oper in einem Akt komponiert (Uraufführung Leipzig 1857).

Innsbrucker Marionettenbühne, Juni 1942

V. l. n. r. (laut Mitteilung von Gilbert Ploner), vorne: Bertl Steiger (Geigenlehrerin, "Gausachbearbeiterin für Musik und Feiergestaltung"), Josef Eduard Ploner, Hilde Schuler (Sopran), Margarete Jenewein ("Initiatorin", über Jahrzehnte Klavierlehrerin in Innsbruck und Hall in Tirol), Frau Köpf, Leutnant Buzzi (nach Kriegsverwundung mit Beinverlust, Theologe und Jesuit nach dem Krieg); hinten: Gilbert Ploner (15 Jahre alt, Sohn von Josef Eduard Ploner), Herr Schneider, Edmund Falkner (Bass), Toni Schiechtl (Tenor), Anton Kratz (1917 Gambor/Galizien - Steinach am Brenner 1980, Klavier) nach der Aufführung von Scherz, List und Rache (Text: J. W. v. Goethe/Musik: J. E. Ploner) im Leotheater, Innsbruck, Anichstraße 36 (Heim der NS-Frauenschaft).

Gilbert Ploner war bei der Aufführung verantwortlich für die "Technik" (Bühne: Holzgerüst, wegen Stoffmangel Verkleidung der Bühne mit grünem Verdunkelungspapier). Foto im Archiv Gilbert Ploner.


Besprechung der Innsbrucker Aufführung von Scherz, List und Rache mit Musik von Ploner (Opus 99) im Juni 1942 in den Innsbrucker Nachrichten vom 19. Juni 1942
Von Karl Paulin

Innsbrucker Marionetten spielen Goethe

Als Früchte der Gelegenheitsmuse, die der Olympier immer wieder zur Auflockerung seines dichterischen Schaffens zu Gast lud, umranken eine Anzahl von Singspielen das gewaltige Gesamtwerk Goethes, von denen "Claudine von Villa Bella" und "Erwin und Elmire" am bekanntesten sind. Freilich stand nicht der Genius, sondern nur die spielerische Laune, der Trieb anmutige Nichtigkeiten zu formen und das musikalische Empfinden an der Wiege dieser Splitter und Späne aus der Werkstätte des großen Dichters.

Eine Puppenbühne eignet sich wohl am ehesten zur Wiedergabe solcher aus dem Geist des primitiven Volkstheaters des Barock und der Romantik entstandenen Spiele. Daher hat die Leiterin der Innsbrucker Marionettenspiele, Grete Jenewein, in ihrem Bestreben, der heimatlichen Kleinbühne künstlerischen Stoff zuzuführen, aus Goethes Singspielen "Scherz, List und Rache" ausgewählt, das seit kurzem im Heim der NS-Frauenschaft, Anichstraße 36, vorgeführt wird.

Das Motiv dieses Singspieles, die Bestrafung bzw. Bekehrung eines Geizhalses durch ein schalkhaftes, in der Wahl seiner Mittel nicht wählerisches Ehepaar, würde sich ohne musikalische Beimischung zu rasch verflüchtigen, denn die Handlung gibt der Bewegungsfreiheit der Figuren dem eigentlichen dramatischen Element eines Puppenspiels kaum genügend Spielraum; den Zwiegesprächen und Liedern fehlt die vorwärtstreibende Abwechslung.

Da springt nun die Musik unseres heimischen Komponisten J. E. Ploner ein und erhebt sich in der restlosen Durchdringung und Verlebendigung der dichterischen Elemente, besonders der Lieder, hoch über das Stoffliche. Der musikalische Teil der Aufführung gewann besonders auch durch die vorzüglich durchgeführten Gesangspartien des Scapin (Toni Schiechtl), der Scapine (Hilde Schuler) und des Doktors (Opernsänger Edmund Falkner).

Mit welchem Aufwand und welcher Mühe die Ausgestaltung dieses Singspiels vorbereitet worden ist, zeigt die Tatsache, daß nicht weniger als 13 Personen mit Spiel, Gesang und Musik beschäftigt waren. Lebhafter Beifall war der Dank für diesen Dienst an der kleinsten Form unserer kulturellen Volksbühne.

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1942, 18. September 1942 - Innsbruck
Konzerthaussaal der Städtischen Musikschule

Liederabend mit Werken von
Ferdinand Andergassen, Josef Gasser, Artur Kanetscheider, Fritz Koeneke, Peter Marini, Robert Nessler, Josef Eduard Ploner, Josef Prantl, Albert Riester, Franz Seidel, Karl Senn
Veranstaltet von der Deutschen Arbeitsfront - NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude"

Ausführende
Sänger des Innsbrucker Theaters:
Ilse Eccher-Schürer, Hans Kerber, Charlotte Raab, Eugen Schürer
Klavier: Hans Moltkau



Besprechung des Innsbrucker Liederabends am 18. 9. 1942
in den Innsbrucker Nachrichten vom 21. 9. 1942
Von Heinz Cornel Pfeifer

Archiv Gilbert Ploner


Liederabend heimischer Komponisten

Die Deutsche Arbeitsfront, NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", veranstaltete am Freitag, den 18. d[ieses] M[onats], im Konzerthausaal der Städtischen Musikschule einen Liederabend heimischer Komponisten, die, begleitet von Kapellmeister Hans Moltkau, von Kräften unserer Oper, und zwar Charlotte Raab, Hans Kerber, Ilse Eccher-Schürer und Eugen Schürer, ausgezeichnet vorgetragen wurden.

Ferdinand Andergassen vertonte eindruckvoll Josef Weinhebers Gedicht "Die Trommel" und von Eugen Andergassen "Wenn meine Seele dunkel ist", das in seiner Schwere an die Melancholie der Lieder in Schuberts "Winterreise" erinnerte. Froh und beschwingt waren Robert Nesslers Lieder "Heimkehr" und "Morgen im Park" von Ernst Rudolf Pescher, entzückend das heitere Liedchen "Liebesfragen" von S[iegfried?] Kapper, das Josef Prantl vertonte. Besonderen Beifall fand Franz Seidel mit seinem schelmischen Liedchen "Am Bach" von Christian Schmitt und "Das Veilchen" von Franz Karl Ginzkey. Sonnig und heiter wirkte das Volsklied "Es wollt ein Mägdlein tanzen geh"n" von Peter Marini, sowie Walther von der Vogelweides "Frühlingserinnerungen", das Josef Gasser innig vertonte. Besondere Eigenart verriet Arthur [!] Kanetscheiders ansprechendes Lied "Das alte Land", nach Worten von A[nton] v[on] Wallpach, schön und klar wie ein Bergquell Albert Riesters "Ein flüchtig Ding", nach Heinrich v. Schullern, der auch Sepp Heimfelsens Geicht "Heimat" in schlichten, ernsten Klängen vertonte. Sehr eindrucksvoll muß auch Fritz Koenekes getragene Weise "Halte mein Herz" von K[arl] E[rnst] Knodt genannt werden. Monumental im Aufbau, feierlich und tongewaltig war Josef Ploners "Verhängnis"[op. 50/1] nach Worten von Adolf Pichler, das durch Fülle und Reichtum der Melodik hervorragte. Karl Senn, dessen Art wieder mehr an Hugo Wolf erinnert, beschloß nach den feinen und gemütstiefen Liedern "Begleitung" von G[ottfried] Riccabona, und "Hinter der alten Stadtmauer", von F[ranz] Rebizek [!], den Abend mit vier reizenden Tiroler Volksliedern für zwei Singstimmen und Klavier: "D"Nachtigall", "Das Spinnradl, "Eppaner Wiegenlied" und "Und daß i kloan gwachsen bin", die die heimatliche Note besonders gut zum Ausdruck brachten und lebhafte Zustimmung fanden.

Das Liedschaffen unserer heimischen Komponisten, das mit dieser kleinen Auslese diesen schönen Abend gestaltete, ließ die innige Bindung der Tonschöpfer mit der Eigenart und dem landschaftlichen Reichtum des Gaues Tirol-Vorarlberg spürbar erkennen und die Überfülle an köstlichen Melodieschätzen glückhaft ahnen.

Die Besucher dankten den Komponisten und Vortragskünstlern mit aufrichtigem und reichem Beifall.

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1942, 8. November - Innsbruck
Großer Stadtsaal
Feier zum 9. November
Gaumusikzug spielt "Heldenmusik" von Ploner

Die Gauhauptstadt feiert den 9. November
Würdige Veranstaltung im großen Stadtsaal [ ]
In: Innsbrucker Nachrichten vom 9. November 1942, Seite 3

Innsbruck, 8. Nov[ember]. In Innsbruck ehrte der Kreisleiter, Bereichsleiter P[artei]g[enosse] Dr. Primbs, die Toten des Kampfes um Großdeutschland am Sonntagvormittag im Rahmen einer Feierstunde, der als Vertreter der großdeutschen Wehrmacht der Standortälteste, Generalleutnant Freiherr von Waldenfels, beiwohnte. Im geschmückten Stadtsaal, den die Politischen Leiter, die Gliederungen und angeschlossenen Verbände und in besonders großer Zahl die Jugend der Bewegung füllten, gedachte der Kreisleiter mit Worten, die von ehrfürchtiger Erinnerung und stolzer Zukunftszuversicht zugleich getragen waren, der Opfer, die am kampferfüllten Weg zur deutschen Einheit geblieben sind: der Toten des ersten Weltkrieges, deren Heldenmut mit der Schmach von 1819 versunken und vergessen schein, der Gefolgsmänner des Führers, die zu seinem Glauben an deutsche Auferstehung geschworen hatten und diesen Glauben mit ihrem Leben besiegelten, der Gefallenen des gegenwärtigen großdeutschen Freiheitskampfes, der in einem unvergleichlichen Siegeszug allen, die im Tode für Deutschland vorangegangen sind, ehrende Rechtfertigung und ruhmvolle Sinngebung ihres Opfers verheißt.

Die Rede des Kreisleiters war durch eine eindrucksvoll gestaltete Folge von Musik- und Sprechvorträgen eingeleitet worden. An den Fahneneinmarsch schloß sich die vom Gaumusikzug gespielte "Heldenmusik" von Josef Eduard Ploner [die "Heldische Musik" op. 83?], daran das Lied "Der Himmel grau und die Erde braun" [Text und Musik: Werner Altendorf], das von einem Stamm der Hitler-Jugend gesungen wurde. Ein Sprecher der Hitler-Jugend vermittelte sodann Dietrich Eckharts aufrüttelnde Verse "Sturm, Sturm, Sturm !", im Schargesang der Feiergemeinschaft klang das "Volk ans Gewehr" [Text "Siehst du im Osten das Morgenrot" und Musik: Arno Pardun] machtvoll durch den Saal und die letzten Akkorde dieses unvergänglichen Kampfliedes nahm die Orgel auf und leitete über zum "Guten Kameraden" [Text "Ich hatt" einen Kameraden" von Ludwig Uhland, Melodie von Friedrich Silcher], dessen gedämpfte Klänge bei gesenkten Fahnen den Sprecher von Heinrich Anackers Heldenehrung begleiteten. Ihre letzten Worte: "Wir heben die Fahnen: Die Toten, sie leben! Wir tragen ihr Wollen " fanden machtvollen Widerhall in dem gemeinsamen Gesang des Liedes "Wir standen für Deutschland auf Posten " [Melodie: Norbert Schultze], dessen Schlußworte "Führer befiehl, wir folgen dir" vom ersten Tage an das Leitwort der Gefolgschaft im Kampf Adolf Hitlers um die Neuwerdung unseres Volkes waren und heute zum Treuebekenntnis aller Deutschen im Entscheidungskampf unserer Tage geworden sind.

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1942, 17. November 1942 - Innsbruck
Claudiasaal, Herzog-Otto-Straße 4

Musikabend - anläßlich des Tages der deutschen Hausmusik
Motto: "Was aus der Heimat wächst, ist dir im Innersten zu eigen."
Wir singen und spielen Werke des heimischen Tondichters Josef Eduard Ploner
Veranstaltet von der NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", Volksbildungsstätte Innsbruck, gemeinsam mit der NS.-Frauenschaft

Die Abendfolge enthält u. a. Lieder im Volkston und eine Kantate für Frauenchor und sechs Instrumente "Bauernliebe" [op. 118]

Archiv Gilbert Ploner

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1942, 17. November - Innsbruck
Claudiasaal

Musikabend mit Werken von Ploner

Heimatliche Kunst zum Tag der Hausmusik
In: Innsbrucker Nachrichten vom 16. November 1942, Seite 4

Am Dienstag, den 17. November, veranstaltet das Deutsche Volksbildungswerk in Zusammenarbeit mit der NS.-Frauenschaft um 20 Uhr im Claudiasaal einen Hausmusikabend, bei dem ausschließlich Werke unseres heimischen Tondichters Josef Eduard Ploner zur Aufführung gelangen. Die Vortragsfolge ist:
"Schläft ein Lied in allen Dingen", vierstimmiger Kanon [ursprünglich op. 120/12];
Kleine Hausmusik für Blas- und Streichinstrumente [op. 124];
Lieder und Zwiegesänge aus dem Singspiel "Scherz, List und Rache" [op. 99];
Variationen, Reigen und Fugette über das Lied aus dem Dreißigjährigen Krieg "Es geht ein" dunkle Wolk" herein" für zwei Geigen [op. 47];
Kantate "Bauernliebe" für Frauenchor und Instrumente [op. 118].
Der Text dieser Kantate ist dem Gedichtband "Nie stirbt das Land" von Josef Georg Oberkofler entnommen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Es werden aber Spenden für das Kriegs-WHW [Winterhilfswerk] entgegengenommen.

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1942, 19. November Innsbruck

Pressebericht über den Abend vom 17. November 1942 mit Werken Ploners

Hausmusikabend. Aufführung von Werken Josef Eduard Ploners
In: Innsbrucker Nachrichten vom 19. November 1942, Seite 4
Von Karl Senn

Im Claudiasaal veranstaltete das Deutsche Volksbildungswerk in Zusammenarbeit mit der NS-Frauenschaft am Dienstag, den 17. November, einen Hausmusikabend. Nach einem einleitenden vierstimmigen Kanon "Schäft ein Lied in allen Dingen", von Mitgliedern der NS-Frauenschaft vorgetragen, sprach die Musikreferentin der NS-Frauenschaft, Bertl Steiger, über die Bedeutung des häuslichen Musizierens und den Zweck des Tages der Hausmusik, der die Freude am häuslichen Musizieren wecken und damit die Pflege der Musik in weite Kreise tragen soll. Heuer jährte sich zum zehntenmal der Tag der Hausmusik. Dies sollte der der Anlaß sein, ihn diesmal besonders festlich zu begehen, und wie wäre dies besser möglich als mit Werken eines heimischen Tondichters Josef Eduard Ploners um damit das, was aus der Heimat wächst, was auf heimatlicher Scholle gedeiht, in besonderer Weise zu pflegen.

Eine Reihe [von] Werke[n] Ploners, die in leichter, harmonisch und technisch schlichter Ausführung für Hausmusik geschrieben, einen beachtlichen Teil seines Schaffens bedeuten, kamen dann zu Gehör, als erstes "Variationen, Reigen und Fugette" über das Lied aus dem Dreißigjährigen Krieg "Es geht ein" dunkle Wolk" herein" für zwei Geigen, dann Ausschnitte aus dem für das Innsbrucker Marionettentheater vertonten Singspiel "Scherz, List und Rache" für eine Frauenstimme, zwei Männerstimmen und Klavier. Eine dreisätzige "Kleine Hausmusik" für Blas-, Streichinstrumente und Klavier erwies sich dank ihrer Einfachheit und Klarheit für Zwecke der Hausmusik besonders geeignet. Dann wurde der schon eingangs gesungene Kanon von Bertl Steiger mit allen Anwesenden eingeübt und gesungen. Zum Schluß wurde die durch ihre Schlichtheit ansprechende Kantate "Bauernliebe" nach Texten aus Josef Georg Oberkoflers, des heimischen Dichters Gedichtband "Nie stirbt das Land" für Frauenchor, Blas- und Saiteninstrumente unter Leitung des Komponisten gesungen. Alle Mitwirkenden waren mit großem Eifer bei der Sache und haben damit dem eigentlichen Zweck des Abends, zu zeigen, wie man Musik pflegen soll, in bester Weise gedient. Der heimische Tondichter Ploner wurde am Ende der Veranstaltung herzlich gefeiert.


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1942, 11. Dezember 1942 - Innsbruck
Stadtsaal

Feierstunde der Heimat
Josef Eduard Ploner
Vorspiel und Zwischenaktmusik zu Michel Gaismair [op. 105] von Josef Wenter
Kantate Das Land im Gebirge [op. 109], Uraufführung der Erstfassung (mit vier Sätzen)

Ausführende
Orchester des Reichsgautheaters, Dirigent Kapellmeister Hans Georg Ratjen
Deutscher Männergesangverein
Drei Klassen der Lehrerinnenbildungsanstalt
Ein Kinderchor der Jugendgruppen
Sepp Nigg, Sprecher

Ehrenschutz: Gauleiter und Reichsstatthalter [Franz Hofer]

Archiv Gilbert Ploner



Vorschau zur Uraufführung von Ploners Kantate Das Land im Gebirge op. 109 am 11. 12. 1942
in den Innsbrucker Nachrichten vom 7. 12. 1942
Von Dr. Ehrentraut Straffner

"Das Land im Gebirge"
Feierstunden der Heimat im Stadtsaal

Mit diesem Abend, der am 11. Dezember im Großen Stadtsaal unter dem Ehrenschutze des Gauleiters und Reichstatthalters zur Durchführung kommt, wird der Versuch unternommen, eine ausschließlich aus der Kraft und Eigenart unserer Heimat gewachsene Feierstunde zu gestalten. Idee, Wort und Musik sollen in diesen eineinhalb Stunden so ineinandergreifen, daß jedermann die besondere Kulturkraft unserer Heimat offenbar wird.

Die Vortragsfolge dieses Abends bringt selbstverständlich Werke, die im Lande gewachsen und mit der Geschichte unseres Landes aufs engste verknüpft sind. Zu der Musik, einem Vor- und einem Zwischenspiel, die Josef Eduard Ploner zu dem den meisten Innsbruckern von einer eindrucksvollen Aufführung im Reichsgautheater bekannten Schauspiel "Michel Gaismair von Johann Wenter geschrieben hat, wird die Gestaltung der dritten Szene des zweiten Aktes dieses Schauspieles durch Sepp Nigg als Alleinsprecher gestellt. Zeigt diese Szene in ihrer markanten Gegenüberstellung des in volksfremden Gedankengängen sich bewegenden Habsburgers und des die Urkraft deutschen Volkstums verkörpernden Tiroler Bauernführers in eindringlichster Form das vor Geschichte und Dichtung gültig gewordene Gesicht des Menschen aus unserer Bergwelt, so behandelt das von Karl Springenschmid geschriebene Vorwort "Tirol" Sinn und Wesenheit unserer heimatlichen Art und Geschichte. Als Mythos ewigen Bergbauerntums ist schließlich die Kantate zu werten, die Josef Eduard Ploner nach vier Gedichten aus der Sammlung "Nie stirbt das Land von Josef Georg Oberkofler geschaffen hat. Bewußt in die Form urdeutscher Musikformen gekleidet, verbindet dieses Werk Allgemeinverständlichkeit mit einer geradezu monumentalen Wucht und wird auf diese Weise der sprachlichen Prägung, die Josef Georg Oberkofler in seinen Gedichten dem Wesen des Bergbauerntums gegeben hat, gerecht.

In die Ehre der Gestaltung dieses Abends teilen sich das Orchester des Reichsgautheaters unter Kapellmeister Hans Georg Ratjen, der Deutsche Männergesangverein, drei Klassen der Lehrerinnenbildungsanstalt und ein Kinderchor der Jugendgruppen der NS.-Frauenschaft sowie als Sprecher Sepp Nigg, München, der, aus der Exl-Bühne hervorgegangen, heute zu den angesehensten Mitgliedern des Münchner Staatsschauspiels bzw. seiner Kammerspiele gehört.

Probe für "Das Land im Gebirge". Die erste Gesamtprobe für Orchester, Chor und Kinder findet heute, 7. d[ieses] M[onats Dezember 1942], 20 Uhr, im Konzertsaal der Musikschule, Museumstraße, statt.



Die Idee zu dieser Feierstunde stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von Josef Eduard Ploner; das Programmkonzept trägt seine Handschrift.

Gerade mit dem Werk Das Land im Gebirge von Ploner hat sich jüngst eine Diskussion über "Nazimusik" entzündet. Ploner hat hier bewusst einen "Tiroler Heimatabend" auf symphonischem Niveau programmiert und inszeniert, der natürlich mit den Erwartungen und Ansprüchen der Nationalsozialisten in Übereinstimmung war und auch sein musste. Insbesondere das archaische Wesen des Bauerntums, insbesondere im Agrarland Tirol, war den Nationalsozialisten ein Garant für ein "gesundes" Volkstum, und so hatte sich Gauleiter Hofer am Schluss seines Geleitworts (24. 12. 1941) zum von Ploner herausgegebenen Gauliederbuch (1942) euphorisch geäußert: "So soll auch dies[es] Hellau-Liederbuch als Ausdruck unserer Wesensart gewertet werden: Klingendes Bekennen arteigener Daseinsfreude und jahrhundert[e]alten Wehrbauerntumes!"

Alpbachtaler Bäurin in Tracht, Innsbrucker Nachrichten vom 2.4.1941


Es erscheint so nahe liegend und auf den ersten oberflächlichen Blick vielleicht einsichtig, diese Kantate, in der das Bauerntum in überschwänglicher Begeisterung als einzig ethisch reine und die Menschen beglückende Daseinsform verherrlicht wird, der alleinigen Aura der Nationalsozialisten zuzuweisen und ihr Entstehen und Weiterwirken mit der damaligen Kulturszene auf Dauer zu verquicken. Eine solche ausschließliche Vereinnahmung und endgültige Fixierung von Ploners Kantate Das Land im Gebirge op. 109 als "Nazimusik" ist aber methodisch falsch und wissenschaftlich nicht haltbar.

"Nationalsozialistische Musik" kann allenfalls eine Komposition sein, deren Semantik exklusiv im Kontext von Maximen der Nazizeit erkennbaren Bedeutungsgehalt hat und ihre Sinnerfüllung folglich außerhalb der ursprünglichen Intention völlig verliert.

Mir sind unter dieser Prämisse nur wenige Komposition Ploners untergekommen, die diesen Anspruch erfüllen und die man demnach als "Nazimusik" bezeichnen kann, so das Orgelvorspiel zu "So gelte denn wieder", das am Beginn der offiziellen Feierzeremonie zu Hitlers Geburtstag am 19. April 1944 im Großen Stadtsaal Innsbruck "nach dem Einmarsch der Fahnen" von Helmuth Rüdiger gespielt wurde, sowie die im Gegensatz zum Orgelvorspiel im eigenhändig erstellten Werkverzeichnis eingetragenen Kompositionen mit den Opuszahlen 96, 97, 101 und teilweise 111 (siehe Werkverzeichnis unten).

Auch nicht im eigenhändig erstellten Werkverzeichnis Ploners finden sich jene zwei Lieder, die die Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum laut Erwerbungsbericht 2010 (im "Jahresbericht 2010" des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck o. J., Seite 131) als Geschenk erworben hat: Tiroler Schützenlied 1944 ("Seit Bolschewik und Plutokrat") und Tiroler Volkssturm 1944 ("Hellau! Jatz fangt der Volkssturm an!"). Beide Autographe, die 1944 in Tarrenz, wohin Ploner nach der Zerstörung des Hauses mit seiner Innsbrucker Wohnung beim Bombenangriff auf Innsbruck am 15. Dezember 1943 übersiedelt war, geschrieben wurden, enthalten die Widmung "für Frau M. Wolf-Pischl zur Erinnerung an den Macher!". Beide Lieder sind als nationalsozialistische Musik anzusehen, wiewohl die Niederschrift vermutlich vor allem eine private Bestimmung gehabt haben könnte (vgl. Dedikation).

Ganz anders ist der Befund zu bewerten bei Kompositionen, die die Nationalsozialisten für ihre kulturpolitischen Zwecke vereinnahmt haben. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob diese Werke in der NS-Zeit entstanden sind oder schon vorher oder sogar Auftragskompositionen darstellen. Das einzige Kriterium ist, dass diese Werke auch losgelöst von ihrer Zweckbestimmung während der NS-Zeit ein prinzipiell unabhängiges neutrales Weiterleben haben können, ohne dass ihr semantischer Gehalt unmittelbar und vor allem ausschließlich mit der Ideologie des Nationalsozialismus verknüpft werden kann.

Der nationalsozialistische Kulturbetrieb hat viele Komponisten für sich vereinnahmt. Dennoch gehören die Opern von Richard Wagner, die Carmina burana von Carl Orff, die Werke von Richard Strauss, Hans Pfitzner und vieler anderer Komponisten, die während der NS-Ära ideologisch populär waren, zum unbestrittenen Kulturgut, das man absolut betrachten muss und daher werkimmanent nicht mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang bringen kann. Das ist auch - mit Ausnahme des Orgelvorspiels "So gelte denn wieder" und der oben angeführten Werke op. 76, 96, 97, 101 sowie teilweise 111 bei allen Kompositionen Ploners, die er während der nationalsozialistischen Ära schuf, der Fall. Aus diesem Grund konnten sie auch alle und sogar im vermehrten Umfang nach dem Zweiten Weltkrieg, völlig wertneutral und insbesondere frei von ideologischer Befrachtung, aufgeführt und dazu in einer stattlichen Anzahl für den Rundfunk dokumentiert werden. Aus diesem Fundus im ORF-Archiv des Landesstudios Tirol hat das Institut für Tiroler Musikforschung im Jahr 2011 eine Dokumentations-CD herausgebracht, die insbesondere für die Forschung, aber auch für andere Interessenten einen ersten Einblick in das Schaffen Ploners vermitteln sollte. Die CD enthält neben der Kantate Das Land im Gebirge, die Tondichtungen Trauernd Land und Das Tiroler Jahr, die Bühnenmusik zu Mich(a)el Gaismair und die Wolkenstein-Suite für Orchester.



Josef Eduard Ploner hat die Kantate Das Land im Gebirge (op. 109) 1941 für eine "Feierstunde der Heimat" komponiert (zum Werktitel Das Land im Gebirge (op. 81) 1939, der sich damals auf eine symphonische Dichtung bezog (nach 1945 Trauernd Land op. 81, vgl. oben die Daten zum Konzert am 2. März 1939 in Bozen).

Diese Urfassung der Kantate Das Land im Gebirge op. 109 hat vier Sätze. 1943 erschien davon bei Siegfried Stanberg in Wien neben der Chorpartitur der Klavierauszug, jeweils mit einer gedruckten Widmung an den "tatkräftigen Förderer heimischen Brauchtums, Franz Hofer, Gauleiter und Reichsstatthalter in Tirol und Vorarlberg".

Gauleiter Franz Hofer beim "Brixentaler Flurritt", Innsbrucker Nachrichten vom 9.6.1942



Nun kann eine Widmung aus verschiedenen Beweggründen sich ergeben. Eine Widmung kann aus aufrichtiger Anerkennung, ja Bewunderung erfolgen. Eine Widmung kann eine Erwartungshaltung hinsichtlich irgendeiner Belohnung bezwecken. Eine Widmung kann sich aber auch auf das Ansehen des Künstlers auswirken, wenn der Widmungsempfänger eine entsprechend potente Persönlichkeit ist. Ploner war zu dieser Zeit bereits ein angesehener Komponist. (19) Die gedruckte Widmung erfolgte wahrscheinlich wirklich aus tiefster Überzeugung, wie sie im Wortlaut ausgedrückt ist, "dem tatkräftigen Förderer heimischen Brauchtums". Ploner sah im Brauchtum einen wesentlichen Faktor der Tradition und Identifikation Tirols, und unter Gauleiter Hofer wurde das Brauchtum im Land besonders gefördert. Dies geschah unter anderem im Rahmen von so genannten "Dorfgemeinschaftsabenden", die im ganzen Land immer mehr üblich wurden. Als Beispiel dafür sei ein Bericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 16. Oktober 1942 (S. 4) angeführt: "Ried. Dorfgemeinschaftsabend. In unserer Ortsgruppe fand ein gut besuchter Dorfgemeinschaftsabend statt, bei welchem der Kreisleiter in einer Rede besonders darauf einging, wie unser Brauchtum in einer vergangenen Zeit fast gänzlich verschwunden war und wie es heute wieder auf allen Gebieten gefördert wird. Die im Rahmen des Dorfgemeinschaftsabends von jung und alt gebotenen Darbietungen, besonders die Volkstänze, zeigten gesundes Empfinden für heimisches Brauchtum und die freudige Aufnahme der Brauchtumspflege." Details zu den Dorgemeinschaftsabenden siehe in eigenen Ausführungen (16).

AUFFÜHRUNGEN
VON KOMPOSITIONEN
JOSEF EDUARD PLONERS
(19. MAI 1938 bis
12. JULI 1944)

1938/39/40

1941/42

1943/44

Werkverzeichnis


Komponisten

Josef Eduard Ploner
Emil Berlanda
Karl Senn
Artur Kanetscheider
Karl Koch
Josef Gasser
Peter Marini
Albert Riester