Mosaik des Kulturlebens im Überblick

Vorwort

Ein Mosaik als bildhafte Komposition erschließt seine optische Wirklichkeit in einer künstlerisch gestalteten Abfolge bunter Steinchen. Dieses Mosaik des Kulturlebens im Überblick gewinnt seine Aussagekraft aus einer Vielzahl von Informationen aus unterschiedlichsten Bereichen kultureller Betätigung während der Zeit des Nationalsozialismus in Tirol. Der Erkenntnisgewinn wird umso größer sein, je breiter der Horizont abgestecktist und je mehr an Quellenmaterial dadurch verfügbar wird. Dieses Projekt basiert vorerst vor allem auf Nachrichten aus Zeitungsberichten. Das Medium Internet eröffnet die Möglichkeit einer fortlaufenden Erweiterung des Quellenbestandes und damit der konsequenten Aktualisierung.

Die Idee für dieses Vorhaben ergab sich folgerichtig aus dem Bestreben, das künstlerische Wirken und politische Verhalten der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten in der Zeit des Nationalsozialismus möglichst gerecht beurteilen zu können. Es ist evident, dass es bei einer solch sensiblen und komplexen Materie, wie sie die Beschäftigung mit dieser Zeit vorgibt, Voraussetzung sein muss, bei jeder Form von Analyse sich eines möglichst umfassenden Quellenbestands zu versichern. Pauschalbeurteilungen nach vorgegebenen moralischen Verhaltensmustern im Ton der Selbstgerechtigkeit helfen methodisch ebenso wenig weiter wie das vorschnelle Resümee auf der Grundlage eines allzu schmalen und oftmals ungesicherten Quellenfundaments.

Diese Materialsammlung aus unterschiedlichsten Kulturbereichen zeigt zum einen den allumfassenden Eingriff des nationalsozialistischen Terrorsystems in das Kulturleben, zum anderen die überaus marginale Bedeutung der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft im Mainstream des damaligen Kulturbetriebs. Die Nationalsozialisten hatten sich aller kulturellen Instanzen bemächtigt. Wer nicht gefügig war, wurde ersetzt, der Inhalt von Kultur nach den Grundsätzen der Ideologie ausgerichtet. Während man erhabene Werke des menschlichen Geistes in den Theatern spielte, wurden zugleich Menschen verfolgt, verhaftet, brutal gequält und massenweise ermordet. Um die grausame Absurdität dieser Schreckenszeit sich auch nur annähernd zu vergegenwärtigen, soweit dies aus heutiger Perspektive überhaupt möglich erscheint, ist es Voraussetzung, möglichst viel an authentischer Information zu erfahren. Filme, Aussagen von Zeitzeugen und zeitgenössische Medienberichte vermitteln zumindest ein atmosphärisches Bild und somit eine Grundbedingung, den jeweiligen Sachverhalt besser verstehen zu können. Geschichtliche Phänomene und komplexe historische Begebenheiten können wohl adäquat nur aus der jeweiligen Zeit heraus beurteilt werden.

Dieses Mosaik des Kulturlebens im Überblick stellt somit einen Beitrag zur besseren Kenntnis dieser unseligen Epoche dar. Bislang waren zur Kulturgeschichte und vor allem zur Musikgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus für Tirol kaum Informationen publik. Mit dieser sich ständig ergänzenden Dokumentation soll nun eine für möglichst viele Interessenten aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen zugängliche Quellensammlung auf Dauer verfügbar sein.